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A2-Milch - Die ursprüngliche Kuhmilch

A2-Milch - Alles über den neuen Trend

Kühe auf der Weide, eine stehend, die anderen liegend - © CC0 - Pixabay - nemo2014

Wer gerne Milch trinkt, weiß, dass es heute von der Rohmilch über die pasteurisierte oder homogenisierte Milch bis hin zur fettarmen H-Milch verschiedene Milch-Varianten gibt. Jeder Milchkonsument schwört auf die Milch, die ihm am besten schmeckt. Mancher achtet beim Kauf von Milch auch auf den Fettgehalt. 

Jenseits solcher Einteilungen, die sich auf des Kaufverhalten und die konsumierte Menge an Milch auswirken, ist auch eine andere Einteilung möglich: die in A1- und A2-Milch. Diese Unterscheidung bezieht sich aber nicht auf den Geschmack, die Art der Pasteurisierung oder den Fettgehalt, sondern auf den behaupteten Gesundheitswert der Milch. Erfahre hier Neues über den Milch-Trend von heute, die "natürliche Vollmilch", die ursprüngliche Milch im Kühlregal.

Eine Kuh und 3 Kälber auf der Weide - © CC0 - Pixabay - pcdazero

Was unterscheidet A1- und A2 Milch?

Prolin statt Histidin

Vor allem die Zusammensetzung der Casein-Proteine bzw. der in ihnen enthaltenen Aminosäuren ist unterschiedlich. Im Grunde ist der Unterschied recht klein. Es handelt sich nämlich nur um das Beta-Casein, bei dem es nachgewiesene Unterschiede zu vermelden gibt. Dieses Casein ist aus 209 verschiedenen Aminosäuren zusammengesetzt. In der Zusammensetzung der Aminosäuren findet sich der Unterschied zwischen A1- und A2 Milch. Bei der Aminosäure Nummer 67 weist die A1-Milch die basische Aminosäure Histidin auf, bei der A2-Milch ist an dieser Stelle jedoch Prolin zu finden. Das ist zwar nur ein feiner Unterschied. Er bedeutet jedoch Auswirkungen auf die Verdauung.
Bei der A1-Milch - nicht aber bei der A2 Milch - wird im Verdauungsprozess die Aminosäurekette aufgesprengt. Der Grund dafür ist noch unklar. Dabei entsteht ein Opiat namens Beta-Casomorphin-7 (BCM7). Möglicherweise gibt es auch noch andere, bisher nicht erforschte Unterschiede. Das Opiat BMC7 nimmt Einfluss auf den Verdauungstrakt, vor allem spricht es die dort enthaltenen Opioid-Rezeptoren an. Der Verdauungsprozess wird dadurch verlangsamt. Außerdem nimmt das Opioid Einfluss auf das Immunsystem und das neurologische System. 

Bei Neugeborenen und kleinen Kindern wurden Entwicklungsstörungen nach dem Konsum von A1-Milch festgestellt. Außerdem scheint es einen Zusammenhang zwischen BCM7 und frühkindlichen Atemstillständen zu geben. Bei Erwachsenen wird A1-Milch mit dem Auftreten von koronaren Herzerkrankungen und Diabetes vom Typ-1 in Verbindung gebracht. Genaueres muss die Forschung der nächsten Jahrzehnte erbringen. Bis dahin erscheint es manchem als klug, A1-Milch möglichst zu meiden.
Drei erwachsene Kühe und ein Kalb auf der Weide - © CC0 - Pixabay - PhilippT

A2 Milch - Woran können Verbraucher die beiden Milchsorten unterscheiden?

Der Standard ist A1-Milch

Fast jede Milch, die hierzulande hergestellt wird, ist als A1-Milch einzuordnen. Der Grund ist, dass fast alle europäischen oder amerikanischen Rinder zu ein- und derselben Subspezies gehören. Lediglich die britischen Jersey- und Guernsey-Kühe produzieren sowohl A1- als auch A2 Milch, bzw. vorzugsweise A2-Milch. Um in den Genuss von A2 Milch zu kommen, müsste der Kunde einen Milchbauern mit Jersey- oder Guernsey-Rindern ausmachen und seine Milch von dort beziehen. Auch indische oder afrikanische Milchkühe - beispielsweise die Rinder der Massai - geben A2 Milch. Doch an diese Milch können wir in Deutschland nicht herankommen. Eine möglicherweise interessante Alternative bieten Ziegen-, Schaf-, Büffel- oder Yakmilch-Produzenten. Dabei handelt es sich meistens auch um A2-Milch.
Kuhherde auf der Weide in Neuseeland - © CC0 - Pixabay - jeffjuit

Warum kam es zu dem Unterschied zwischen A1 und A2 Milch?

Vorreiter ist Neuseeland

An sich haben alle Kühe früher A2-Milch produziert. Es war einer Genmutation zu verdanken, dass die in Europa bevorzugten Rinderrassen irgendwann das Histidin in der Aminosäurekette aufwiesen. Es blieb nicht die einzige Mutation in der Evolutionsgeschichte, wie jeder sich denken kann. Fakt ist: Das Beta-Casein der A1-Milch ist sehr empfindlich, was eine Pasteurisierung angeht. Durch diese entsteht das kritische Opioid nämlich noch schneller. Darüber ist aber die Milchforschung erst seit 10-15 Jahren informiert. Als Trend zeichnet sich der Schluss ab, dass A1-Milch aus gesundheitlicher Sicht Nachteile in sich birgt. Das könnte aber die mehrheitlich auf A1-Milch ausgerichtete Milchwirtschaft erheblich ins Wanken bringen - und damit auch die Gewinne der Hersteller. 
In Neuseeland, einem Land in dem der Forschungsstand in Sachen Milch schon weiter ist als bei uns, haben die Landwirte bereits Konsequenzen aus den aktuellen Erkenntnissen gezogen. Sie haben die Milchwirtschaft auf Milchkühe umgestellt, die A2-Milch produzieren. Neuseeland kann daher binnen zehn Jahren als größter Produzent von A2-Milch auftrumpfen. Bei uns wird geraten, dass Menschen mit Darmproblemen wie dem Reizdarm sich bemühen, A1-Milch zu vermeiden. Auch für kleine Kinder ist die A1-Milch unter Umständen nicht gut. Ziegenmilch oder Milchersatzprodukte wie Reismilch, Mandel- oder Hafermilch scheinen als Alternative besser zu sein.
Kuh auf der Alm, im Hintergrund Almhütte - © CC0 - Pixabay - katharina1

Welche gesundheitlichen Vorteile hat A2-Milch?

A1-Milch nicht ungesund, nur anders.

Dem Eiweißprofil der A2-Milch sagt man nach, dass es gesünder ist. Auch Menschen mit Laktoseintoleranz sollen diese Milch besser vertragen. Ob das stimmt, ist allerdings eine andere Frage. Tatsache ist, dass hier Marketing-Strategen am Werk sind, die der A2-Milch einen Boom bescheren. Das liest sich beispielsweise an der 220-Prozent-Steigerung der Aktienwerte der neuseeländischen "A2 Milk Company" ab. Fakt ist auch, dass die Milch unserer Kühe - vor allem die des Fleckviehs - zum Teil sowohl das A1- wie auch das A2-Casien enthält. 
Geschmackliche Unterschiede sind durch die unterschiedlichen Aminosäuren nicht auszumachen. Fakt ist auch, dass ein größerer gesundheitlicher Nutzen der A2-Milch trotz aller Marketing-Hypes um diesen Trend bisher nicht wissenschaftlich gesichert nachgewiesen wurde. Daher meint die Verbraucherzentrale, dass es keinen Grund gibt, die A1-Milch als ungesund zu verteufeln, solange es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise dafür gibt.
Letztes Update: 28.01.2019 13:07