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Rentiermilch - Wissenswertes über die Milch vom Rentier

Die süßliche Milch des Rentiers hat einen hohen Fettgehalt.

Ein Rentier mit  Glocke in Norwegen - © CC0 - Pixabay - ennymore

Wer kennt nicht die Rentierherden, die durch die weiten Wälder und Seen Lapplands ziehen. Die halbwilden Tiere sind manchmal auch direkt vom Auto aus zu beobachten. Erst wenn man sich ihnen zu Fuß nähert, flüchten sie ab einer Distanz von ungefähr 3 Metern. 

Ein stolzes Rentier - © stock.adobe.com - Torbjrn - 139065584

Wissenswertes über Rentiere

Tundra und Taiga.

Die im Norden lebende Hirschart führt ein zirkumpolares Leben. Im Sommer durchstreifen die Tiere die Tundra und Seen Finnlands, im Winter die Taiga. Ihre breiten Hufe, bei denen auch die Afterklauen den Boden berühren, sind hervorragend für die Bewegung in steinigem,schlammigem Gelände geeignet. 
Rentiere leben in gleichgeschlechtlichen Herden mit 100 Tieren, für die Wanderungen vereinigen sie sich und legen in Gruppen von bis zu 100 000 Tieren Entfernungen von 5000 Kilometer zurück. Auch weibliche Tiere tragen ein schaufelförmiges Geweih, das erst im späten Frühjahr abgeworfen wird. An die karge Umgebung angepasst, ernähren sich Rentiere von Flechten, Moosen und Pilzen. 
Ein Rentier mit Schlitten - © stock.adobe.com - Phimak - 64520632

Das Rentier als Nutztier

Exportiert werden Fleisch, Fell und Geweih

Bereits in der Steinzeit stellte das Rentier eine begehrte Jagdbeute dar. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Naturweidewirtschaft der Samen. Die Rentiere leben frei, bewacht von Hirten. Jeder Same besitzt ungefähr 10000 Tiere. Einmal jährlich werden von den großen Familienverbänden traditionelle Rennen veranstaltet. 
Genutzt werden alle Teile des Rentiers. Mit einer Schulterhöhe von 140 cm und einem Gewicht von 300 Kilogramm ist das Tier ein guter Fleischlieferant. Bei jedem Abtrieb wird ein Drittel der Tiere geschlachtet. Fleisch, Fell und Geweih werden teilweise exportiert. Die Rentiernutzung ist ein den Samen vorbehaltenes Gewebe. Auch wenn die Fortbewegung heute hauptsächlich mit Motorschlitten erfolgt, werden die Rentiere immer noch als Zugtiere genutzt. 
Mehrere Rentiere auf einer verschneiten Weide - © CC0 - Pixabay - Natalia_Kollegova

Weidewirtschaft mit Rentieren

Eine echte Weidewirtschaft gestaltet sich durch die semiwilde Haltung schwierig. Jede Rentierkuh gibt pro Tag einen Deziliter Milch. Pro Jahr beträgt die abgegebene Milchmenge ungefähr 50 Liter. Das Melken der Rentierkühe ist nicht einfach, da diese in der Zeit der Kälberaufzucht ihre Jungen gegen jede Annäherung verteidigen. Die Milch wird hauptsächlich von Tungusen und Südsamojeden gewonnen und getrunken, beziehungsweise weiterverarbeitet. 
Rentier mit ihren Kälbern - © CC0 - Pixabay - Enra

Inhaltsstoffe von Rentiermilch

Rentiermilch enthält wenig Wasser (67,3%). Der Fettgehalt ist mit 18,1% sechsmal höher als der von Kuhmilch. Der Gesamteiweißgehalt beträgt 10,5%. Mit 1,5% ist der Gehalt an Milchzucker dreimal geringer als in Kuhmilch. Die Inhaltsstoffe sind an den hohen Energiebedarf der Kälber angepasst. Die hohen Fett- und Eiweißgehalte garantieren ein rasches Wachstum der Kälber, die bereits Stunden nach der Geburt selbstständig sein müssen, um der Herde zu folgen. 
Unterschiede im Geschmack zu Kuhmilch
Rentiermilch schmeckt süßlich und sieht aufgrund des hohen Fettgehalts aus wie geschmolzenes Eis. Die cremige Konsistenz erinnert an Kondensmilch, der Gehalt an Eiweiß ist aber wesentlich höher. Die dickliche Konsistenz erinnert an weiche, mit Zucker vermischte Butter. 
Ein weißes Rentier - © CC0 - Pixabay - Mariamichelle

Produkte aus Rentiermilch

Rentiermilch wird in geringen Mengen zu Butter und Käse verarbeitet. Die Produkte werden hauptsächlich in die östliche Mongolei exportiert und in Schweden und Finnland auf Märkten und in Restaurants verkauft. 
Pohccovuosta oder Renost: Ein sehr haltbarer Käse, der in Stücke geschnitten von den Samen in heißen Kaffee getunkt wird. 
Leipäjuusto: 
Der Knisterkäse gibt beim Kauen quietschende Geräusche von sich. Er wird traditionell aus Kuhmilch, manchmal aber auch aus Rentiermilch hergestellt. Die Milch wird bei der Herstellung gesäuert, über dem Feuer geröstet und in Formen gebacken. In Scheiben geschnitten wird der Käse zusammen mit Moltebeerenmarmelade gegessen. Die Käsesorten sind vor allem direkt auf finnischen Märkten und in Schweden erhältlich. Sie werden nur selten in andere europäische Länder exportiert. 
Globuli Kugeln - © CC0 - Pixabay - Bru-nO

Gesundheitliche Wirkungen von Rentiermilch

Rentiermilch ist wegen des geringen Gehalts an Milchzucker für Personen mit Laktoseintoleranz besser verträglich. Der hohe Anteil an leicht verdaulichen Proteinen fördert den Aufbau der Muskulatur. Nach Gewichtsverlusten als Folge schwerer Erkrankungen kann Rentiermilch als Stärkungsmittel genutzt werden. Der hohe Fettanteil und Kaloriengehalt erleichtert den Ausgleich des Gewichtsverlustes. 
Rentiermilch in der Homöopathie 
Lac rangifera C4 wird in der Homöopathie als Konstitutionsmittel angewendet. Die Globuli werden vor allem bei chronischen Schwächezuständen nach traumatischen Erfahrungen eingesetzt. Lac rangifera steigert die Wertschätzung der eigenen Person und verhilft zu einem eigenständigeren Leben.

Rentiermilch und Wellness 
In finnischen Wellnesshotels wird eine lappländische Gesichtsmaske mit Rentiermilch angeboten. Die Gesichtsmaske klärt die Haut. Lipide und Aminosäuren wirken sich positiv auf das Hautbild aus und verringern die Tiefe von Fältchen. Die Haut erscheint nach der Anwendung straff und glatt. Durch Steigerung der Hautelastizität ist ein verjüngender Effekt sichtbar.
Letztes Update: 22.12.2018 19:57